Mehr Luft, mehr Ausdruck – aber bitte gesund: Warum Atemtraining für Sänger:innen und Bläser:innen das volle Potenzial entfaltet
- Stefanie Altmann

- 13. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Nov. 2025
Ob auf der Konzert- oder Opernbühne oder im Jazzclub – Sänger:innen und Bläser:innen leben von ihrer Atmung. Sie ist ihr Werkzeug, ihr Motor, ihr Ausdrucksmittel. Doch was viele nicht wissen: Gerade Musiker:innen, die beruflich viel mit Atemtechnik arbeiten, neigen dazu, zu viel zu atmen.

Das klingt paradox, ist aber ein reales Problem. Überatmung – also das Einatmen größerer Luftmengen als nötig – kann zu einem Ungleichgewicht im Körper führen und die Sauerstoffversorgung paradoxerweise verschlechtern.
Erfahre in diesem Blogbeitrag mehr wie sich Überatmung äußert, was sie bei Musiker:innen macht und ein Atemtraining für Sänger:innen und Bläser:innen goldwert sein kann.
Atem als Kraftquelle – und als Risiko
Sänger:innen und Bläser:innen trainieren ihre Atemmuskulatur oft intensiv, um lange Phrasen zu halten, hohe Töne zu meistern oder kraftvoll zu spielen. Dabei wird häufig die tiefe Einatmung betont – was sinnvoll erscheint, aber langfristig zu einer chronischen Überatmung führen kann.
Symptome wie Kurzatmigkeit, Spannungsgefühle, trockene Schleimhäute oder sogar Panikgefühle können die Folge sein. Denn: Zu viel Atmen bedeutet, dass der Körper zu viel CO₂ verliert – ein Gas, das für die Sauerstofffreisetzung in den Zellen essenziell ist.
„Der Atem ist das Fundament jeder musikalischen Phrase. Ohne ihn ist Musik nur Mechanik.“ – Renée Fleming
Was passiert bei Überatmung?
Wenn zu viel geatmet wird, sinkt der Kohlendioxidgehalt (CO₂) im Blut. Das klingt zunächst harmlos, doch CO₂ ist entscheidend für die Sauerstofffreisetzung in den Zellen. Ein niedriger CO₂-Spiegel führt dazu, dass Sauerstoff schlechter vom Blut ins Gewebe gelangt – auch ins Gehirn und in die Muskulatur. Die Folge:
Konzentrationsprobleme
Muskelverspannungen
Kurzatmigkeit trotz „viel Luft“
Nervosität und sogar Panikgefühle
Wie wirkt sich Überatmung auf Musiker:innen aus?
Für Sänger:innen und Bläser:innen kann Überatmung zu echten Leistungsproblemen führen:
Stimmliche Instabilität: Die Stimme klingt gepresst oder bricht weg, weil die Atemstütze nicht mehr funktioniert.
Probleme bei der Tonansprache: Bläser haben Schwierigkeiten, den Ton sauber zu starten oder zu halten.
Kürzere Phrasen: Trotz großer Luftmenge fehlt die Kontrolle – die Luft „verpufft“.
Erhöhte Muskelspannung: Besonders im Hals-, Schulter- und Brustbereich, was die Spiel- oder Singtechnik behindert.
Mentale Unruhe: Überatmung kann das Nervensystem aktivieren und zu innerer Unruhe oder Lampenfieber führen.

Buteyko – Weniger ist mehr
Die Buteyko-Atemmethode, entwickelt vom russischen Arzt Konstantin Buteyko, setzt genau hier an. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass eine reduzierte, kontrollierte Atmung die Gesundheit verbessern kann.
Ziel ist es, die Atemfrequenz zu senken, die Nasenatmung zu fördern und den CO₂-Spiegel im Blut zu stabilisieren.
Für Musiker:innen bedeutet das:
Mehr innere Ruhe
Bessere Kontrolle über den Atemfluss
Eine gesündere Atemgewohnheit im Alltag und auf der Bühne
Bessere Sauerstoffversorgung
Weniger körperliche und mentale Stresssymptome
Besonders hilfreich ist Buteyko für Menschen, die unter Atemstress leiden – etwa
bei Lampenfieber, chronischer Heiserkeit oder Atemnot beim Spielen. Die Methode lehrt, dass nicht die Menge der Luft entscheidend ist, sondern die Qualität und Effizienz der Atmung.
Atemtraining mit Köpfchen
Natürlich bleibt klassisches Atemtraining wichtig: Übungen zur Stärkung des Zwerchfells, zur Verbesserung der Atemkapazität und zur Koordination von Ein- und Ausatmung sind für Sänger:innen und Bläser:innen unverzichtbar. Doch in Kombination mit Buteyko entsteht ein ganzheitlicher Ansatz: Einer, der nicht nur die Leistung steigert, sondern auch die Gesundheit schützt.
Atemübungen zum bewussten Atemanhalten oder das sanften Reduzieren des Atemvolumens können in den musikalischen Alltag integriert werden – etwa vor dem Auftritt, in der Probe oder als Teil des Warm-ups.

Mehr als Technik – ein neues Atembewusstsein
Atemtraining ist nicht nur Technik, sondern auch Achtsamkeit. Wer lernt, seinen Atem zu beobachten, zu regulieren und bewusst einzusetzen, gewinnt nicht nur musikalisch, sondern auch mental. Die Verbindung von klassischem Atemtraining mit Methoden wie Buteyko schafft ein neues Atembewusstsein – eines, das Leistung und Gesundheit vereint.
Fazit: Atmen mit Maß und Methode
Sänger:innen und Bläser:innen brauchen Luft – aber nicht zu viel davon. Atemtraining ist der Schlüssel zu Ausdruck, Ausdauer und Präzision. Doch wer nur auf „mehr“ setzt, riskiert ein Ungleichgewicht. Die Buteyko-Atemmethode zeigt, dass weniger manchmal mehr ist – und dass gesunde Atmung die Basis für nachhaltige musikalische Exzellenz ist.
Wenn du mehr über Gründe und Auswirkungen der Überatmung oder die Buteyko Atemmethode erfahren möchtest und du den Wunsch hast nachhaltig gesund zu atmen, dann melde dich direkt zu einem meiner nächsten Atemkurse an. Ich freue mich auf dich.




Kommentare